Virgins cause trouble
Januar 2009 | Meinung von Tina Strobel | Neue Artikel per Mail erhalten“Wenn Sie eine echte Meinung über einen Burger haben wollen, fragen Sie jemanden der nicht einmal ein Wort für ‘Burger’ hat”.
Eigentlich sagt man ja ‘fragen Sie jemanden, der sich damit auskennt’, aber Burger King wollte für seine neue Kampagne “Whopper Virgins“ nun gerade Menschen befragen, die weder jemals einen Burger gegessen noch je Werbung für McDonald’s oder Burger King gesehen hatten. Sprich: Menschen anderer Kulturkreise ohne Werbung und Fernsehen.Also zog ein (angeblich) unabhängiges Team in die entlegensten Teile der Erde und führte Geschmackstests mit den Thai Hmong’s, den Inuits aus Grönland und transylvanischen Bauern durch, um herauszufinden welcher Burger besser schmeckt: der Whopper von Burger King oder McDonald’s Big Mac. Das Ergebnis schenken wir uns jetzt mal.
Viel interessanter sind die Reaktionen auf die neue Kampagne. “Fabu” alias Stephan von supertopic.de fasst es treffend zusammen: “Anfangs fand ich die Idee toll. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto abartiger finde ich es. Irgendwie.” Die ersten paar Minuten des Spots sind noch witzig, aber im Laufe der Reportage bekommt man ein komisches Gefühl und am Ende vergeht einem der Appetit auf Fast Food dann generell.
Obwohl Burger King betont, wie “sensibel” man bei der Produktion der Reportage gewesen wäre, gerät das Unternehmen immer mehr in die Kritik. Schon die ersten Teaser für die Kampagne hatten negative Reaktionen von Bloggern und Experten provoziert, die sie als “tasteless and potentially exploitative” bezeichneten. Vertreter von NGO’s weisen darauf hin, dass man Bewohner aus Regionen befragt habe, wo es Ernährungsprobleme gebe und das man für das Geld, die die Kampagne gekostet hat, in diesen Regionen viel Leid hätte beenden können, daher stufen sie sie als “unsensibel” und “beleidigend” ein. Die Kampagne ist nun bereits Thema der Online Ausgaben des Wallstreet Journals und der NY Daily News, die eine ähnliche Meinung vertreten.
Auf YouTube hat die Kampagne einen wahren Ansturm ausgelöst. Unter dem Stichwort “Whopper Virgins” finden sich an die hundert Einträge. Die offiziellen Teaser und Videos der Kampagne mit Hunderttausenden Aufrufen und vermehrt kritischen Kommentaren, aber auch kritisch-polemische Stimmen von Vodcastern und Parodien der Kampagne wie die “Burger King’s Salad Virgins“, oder der kritische Beitrag “Whopper Virgins Remixed” von deconstructingdinner.com.
Eine harmlos angedachte Marketing-Kampagne hat sich so innerhalb von wenigen Wochen zu einer kulturkritischen Debatte hochgeschaukelt, die von Burger King in der Form nicht mehr kontrolliert werden kann. Die verantwortliche Agentur Crispin Porter + Bogusky hatte bereits Burger King’s erfolgreiche “Whopper Freakout“- Kampagne produziert, die damals ebenfalls die Gemüter der Menschen erhitzte, doch mit Witz. Bei den “Whopper Virgin’s” fehlten der Agentur und BK’s Marketing Leiter Russ Klein wohl aber der nötige Weitblick, und so schrammt die Kampagne in ihrer Blauäugigkeit knapp am Witz vorbei und der Whopper bleibt einem stattdessen im Halse stecken.
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Jepp! Schöner, ausführlicher Artikel zum Thema. Schon krass, wie sich BK Werbung heute aufführt.
[...] haben. Aber der Witz verfl
[...] Aber der Witz verflüchtigt sich doch recht bald. Und ich persönlich schließe mich inhaltlich dieser ausführlichen Besprechung und Ansicht im Corporate Media Blog [...]
Ich sehe das genauso wie . Der Witz ist nicht nachhaltig.