Nicht euer Ernst oder?
Mai 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenWahlwerbung kann so witzig sein. Ein einziger Spaziergang durch die Stadt reicht derzeit völlig aus, um auch nur das letzte Fünkchen Hoffnung in die Richtigkeit dieser Aussage für immer zu begraben. Eigentlich sind Plakate gerade in diesem Facebook- und Twitter-Wahlkampf (Yes we can!) ja völlig out, erreichen den Wähler nicht, sind viel zu teuer und überhaupt von vorgestern. Sagen die Wahlkämpfer. Und wie man nun wirklich an jedem Baum, jeder Laterne oder sonstiger Pappplakat-Befestigungsmöglichkeit sieht, müssen Worten nicht immer entsprechende Taten folgen.
Jedenfalls: Wenn es einen denkbar größten Gegensatz (oder ein Antonym, das mir nur nicht einfällt) zu dem Wort Erkenntnisgewinn gibt, dann wird dieser auf jedem der zur Europawahl aufrufenden Werbeplakate umgesetzt, und zwar mit Bravour. Tautologische Geistlosigkeiten (”Für ein Deutschland in Europa”, wo denn sonst bitte: in Sibirien?) reihen sich an wahnwitzige Kollegendenunzierungen (”Dumpinglöhne würden die CDU wählen”) und lückentextähnliche Interpretationsspielräume (”Wir in Europa” - was “wir”? Essen, schlafen, verkalken in Europa?). Gut sind auch jene Bonmots, die “für soziale Gerechtigkeit”, “für Bildungschancen” oder überhaupt “für Arbeit” sind. Mannomann, wie sinnreich - wo doch die Parteienkonkurrenz diese Sachen abgrundtief verabscheut.
In fester Überzeugung, dass jeder Abi-Kunst-Leistungskurs aussagekräftigere Plakate, die nicht von jener geistigen Umnachtung geprägt sind, kreieren könnte, möchte ich doch noch auf das gegenwärtige i-Tüpfelchen des Wahlwerbe-Sinnfugs hinweisen: Die geist- und ideenlosen SPD-Plakate, über die man sich gar nicht erst anfangen möchte aufzuregen, gibts nun auch in Bewegtbildform. Ihr habt euch schon endgültig vom Dasein als Volkspartei verabschiedet oder? Herzlichen Glückwunsch, ihr seid auf einem guten Weg. Aber Achtung: Auch die 5-Prozent-Hürde will gemeistert werden.
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Nicht zu fassen … das ist ja noch nicht mal witzig … nur traurig … vor allem, weil letztendlich aus Steuergeldern finanziert - wieso gibt’s für Wahlwerbung eigentlich keine übergeordnete, unabhängige Qualitätskontrolle … die Straßenlaternen und Plakatwände wären dann sooo schön leer!