Was geht Europa?
Juni 2009 | Meinung von Anja Rettmann | Neue Artikel per Mail erhaltenOch nö, nicht der Pocher bitte! Hab ich auch gedacht. Den Cursor beim Anblick der sonst unwitzigen Klamauk-Figur gen Stopp-Button gelotet - und doch weitergeguckt. Ganz im Ernst: Es ist der erste, wirklich der allererste Spot zur Europawahl, den ich bis zum Ende geschaut habe. Eine kleine Prophezeiung: Das werden Sie auch tun, trotz oder gerade wegen Oli P.
Der erzählt in prepubertärem Jugend-Style-Slang, was so geht in Europa. Vielmehr drückt er den Homies, denen er im Block so begegnet, das Europalwahldatum aufs Ohr, und markiert den Sozialarbeiter mit Hip-Hop-Jargon, um den scheinbaren RTL2-Sehern im Adoleszenz-Stadium die Bedeutung der Europawahl nahezulegen. Und wenn es nicht das Subsidiaritätsprinzip ist, was als Überzeugungsmoment zieht, dann halt die europaweite Telefon-Flatrate. Die wär halt schon cool.
So kann man das machen, um zum Urnengang am Sonntag zu überzeugen. Na gut, zumindest um eine breite Masse an das Stimmzettel-Date im Wahllokal zu erinnern. Denn von Haus aus verbreiten sich solche Clips im Netz eher als die auf Krampf flippig gestalteten Pendants unserer so called Spitzenpolitiker. Lieber ein über Zahnspangen für alle parolender, aber witziger Pocher als einen von Legitimationsprozederen lamentierender Durchschnitts-Politikverwalter.
Hinter der Initiative Europa was geht steckt die Bayerische Europaministerin Emilia Müller, die erfreuenswerter Weise begriffen hat, wie Politikvermittlung tatsächlich in Volkes Sprache funktionieren kann. Und wenns - wie er das zumindest in entsprechendem Jugendklientel scheinbar ist - über Sympathieträger vom Pocher-Format ist. Somit kommuniziert sie auf durchaus amüsante Weise ein doch so zentrales Thema wie die Wahl. Und das in Europa doch so einiges geht. Auf jeden.
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